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Bedeutendes Industriezentrum in vorchristlicher ZeitSpektakuläre Erkenntnisse über die Eisenverhüttung der Kelten 500 Jahre vor Christus / Weitere Forschungen bezüglich des Siedlungsplatzes sollen folgen Was Archäologen aufgrund von 1995/96 erfolgten Grabungen im Keltengebiet des oberen Schnaizteichs bei Waldrennach vage vermutet hatten, ist nunmehr wissenschaftliche Wirklichkeit geworden: Dort befand sich 500 Jahre vor Christus das wohl bedeutendste Eisen verarbeitende Zentrum der Kelten im mitteleuropäischen Raum. Aufgrund der damals gesicherten Funde, darunter ein gut erhaltener Kuppel-Rennfeuerofen, war für den Grabungsleiter Dr. Guntram Gassmann klar, dass das alte Neuenbürger Bergbaurevier mit dem Schwerpunkt bei Waldrennach in vorchristlicher Zeit zu den größten Eisenerzvorkommen und Eisenverhüttungsplätzen nördlich der Alpen gehört haben musste.
Keltische „Hightechregion“ Denn gerade die Systematik und die damit verbundene methodische Anordnung der Verhüttungsanlagen spreche für eine zentrale Organisation. Ein Beispiel: Im oberen Bereich des umfangreichen und mehr als 50 Rennfeueröfen umfassenden Grabungsfeldes sind im Abstand von jeweils vier Metern völlig erhaltene, zum Teil aber auch nur Reste solcher Öfen zu finden, wogegen sich am unteren Bereich des Hanges massenweise Schlacken befinden, darunter auch solche mit einem Gewicht von bis zu 20 Kilogramm. Die Öfen selbst wurden in den Hang hinein gebaut, um die sogenannten Hangwinde zur Entfachung des Feuers nutzen und dann bei über 1200 Grad das Erz verhütten zu können. Und weil sie in den Hang hinein gebaut wurden, überlebten einige dieser Öfen unbeschadet die Jahrtausende – bis in die heutige Zeit. Aus all dem wiederum ergibt sich die Gewissheit, dass sich die Kelten dereinst auf heutigem Neuenbürger Stadtgebiet die – wie Dr. Wieland sagte – größte Hightechregion geschaffen hatten. Gerade was die gefundenen Rennfeueröfen anlangt, ist den Archäologen klar geworden, dass es sich um die ältesten ihrer Art im mitteleuropäischen Raum handelt. Sieben davon wurden bislang untersucht; ein Zwillingsofen ausgegraben. In diesen Öfen wurden mit Holzkohle die rings umher gefundenen – viel später als „Neuenbürger Glasköpfe“ weithin bekannt gewordenen – Eisenerze verhüttet. An verschiedenen Stellen in direkter Nähe, aber auch einige hundert Meter entfernt sind noch heute zahlreiche sogenannte „Pingen“ zu sehen, also Grabungsstellen, in denen die Kelten die Eisenerze der Erde entnommen haben Dr. Wieland: „Nun wissen wir, dass der vorzeitliche Mensch zielgerichtet in den Schwarzwald gekommen ist; nicht um Ackerbau zu betreiben, sondern um Eisenerz zu gewinnen und zu verhütten, um daraus Arbeitsgeräte, Werkzeuge, aber auch Waffen herstellen zu können“. Dass das Eisenerz im Neuenbürger Revier von hoher Qualität ist, haben wahrscheinlich nicht nur die Bergleute späterer Epochen, sondern auch schon die Kelten gewusst, denn das Neuenbürger Erz zeichnet sich dadurch aus, dass es sulfitfrei ist und einen hohen Mangangehalt aufweist, welcher stets notwendig war, um einen gut schmiedbaren, wertvollen Stahl herstellen zu können. Späterer Schlossberg war Leitzentrale Diese keltischen Verhüttungsplätze seien – wie Dr. Wieland weiter betonte – gewiss nicht als isoliert anzusehen, denn dazu seien auch Siedlungen notwendig gewesen, und zwar in unmittelbarer Nähe. Doch geleitet worden sei das Ganze wohl vom Schlossberg aus, wo schon frühere archäologische Grabungen Erkenntnisse über die Anwesenheit der Kelten gebracht haben. Nun haben sich die Archäologen zum Ziel gesetzt, mehr über die dazugehörige Siedlung und das eigentliche Leben der Kelten herauszufinden. Unbebaute, wassernahe Plätze im Höhenstadtteil Waldrennach haben sie sich bereits auserkoren. Zwar wurden – vor allem im übrigen Schnaizteichgebiet – schon geomagnetische und andere Messungen vorgenommen, doch wie der weitere Fortgang und Umfang der keltischen Forschungsarbeiten aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Zuvor muss die finanzielle Abwicklung geklärt werden. Erst dann kann noch mehr Licht in die graue Vorzeit Neuenbürgs und vor allem Waldrennachs gebracht werden, das ja bekanntlich erst im 12. Jahrhundert nach Christus während des sogenannten Neuenbürger Waldganges besiedelt wurde. Die Grabungen 1995 und 1996 wurden von einer Stiftung des VAG-Konzerns getragen, dem daran gelegen war, Erkenntnisse über die Eisenverarbeitung der Kelten in Deutschland zu erhalten. Die jetzt noch ein paar Tage laufenden neuerlichen Forschungsgrabungen wurden durch eine Anschubfinanzierung der Stadt Neuenbürg und der „Frischglück“-Arbeitsgemeinschaft Neuenbürger Bergbau. – jeweils 5000 € – möglich. Zudem hat sich die Sparkasse Pforzheim Calw bereit erklärt, diese jüngsten Forschungsgrabungen finanziell zu fördern und auch von einem ehemaligen Neuenbürger wurde eine Spende zugesichert. Nun wird die Außenstelle Karlsruhe des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg in engem Schulterschluss mit der Stadt Neuenbürg und der „Frischglück“-ARGE Bergbau bemüht sein, die Forschungen noch mehr voranzubringen, um weitere Erkenntnisse über das Umfeld des keltischen Industriezentrums im oberen Schnaizteich erhalten zu können. Funde aus der Karolingerzeit Übrigens: Die neuerlichen Grabungen im Schnaizteich brachten noch eine weitere Sensation zutage: Funde aus dem frühen Mittelalter, aus der Epoche der Karolinger, also aus der Zeit von Karl dem Großen, der 800 nach Christus in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Neben einem Öfen aus jener Zeit kam auch ein vollständiger Verhüttungs-, also Arbeitsplatz zum Vorschein. Schließlich gehören noch weitere Schlacken- und Keramikfunde aus späteren Jahrhunderten mit zum Ergebnis der jüngsten Forschungsgrabungen. Alles zusammen wird – das lässt sich schon jetzt sagen – zu gegebener Zeit zunächst im Rahmen einer Sonderausstellung und danach an einem noch nicht bestimmten, geeigneten Standort dauerhaft der Öffentlichkeit vor Augen geführt. Schließlich handelt es sich bei dem jetzigen Grabungsergebnis – wie Dr. Günther Wieland sagte – um eine Einzigartigkeit, die auch entsprechend präsentiert, touristisch vermarktet und in Szene gesetzt werden sollte. Also: Eine viel versprechende, gute Perspektive für Neuenbürg! Bericht von Jürgen Härter, Straubenhardt
Eisenschmelzen im Rennofen
Schnaizteich
Ein keltisches Gewerbegebiet In der Nähe des heutigen Besucherbergwerkes
Frischglück konnten sieben Kuppelöfen freigelegt werden. Ein bis auf
eine Höhe von ca. 65 cm erhaltener Ofen wurde in einer riskanten Bergungsaktion Ein historisches Experiment Im Zusammenhang mit der Bearbeitung dieser
Ergebnisse für eine museale Darstellung entstand die Idee, die keltische
Ofentechnik und Arbeitsweise experimentell zu überprüfen und die
rekonstruierten Rennöfen dauerhaft zu präsentieren.
Trotz
der Zweifel vieler Fachleute bewiesen die Ergebnisse die vorher getroffenen
Annahmen. Der Versuch wurde zum vollen Erfolg.
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